Flugreisen und Thrombosen

Reisen und TVT (Tiefe Venenthrombose)

Eine tiefe Venenthrombose ist ein örtlicher Verschluss einer tiefen Vene, welche durch ein Blutgerinnsel hervorgerufen wurde. Diese tritt am häufigsten im Bereich der Beine auf. Es kommt dabei zu einer Schwellung und Schmerzen im betroffenen Bein, häufig in der Wade.
Auch ohne das sich eine tiefe Venenthrombose zeigt, kann es dazu kommen, dass sich ein Thrombus löst und mit dem Blut weitertransportiert wird. Ein sich gelöster Thrombus wird dann als Embolus bezeichnet, der dann zu einer Stelle im Körper transportiert werden kann, die kleiner ist als sein eigener Durchmesser, den er dann wie ein Stopfen verschließt. Dieses wird dann Embolie genannt. Je größer somit ein Embolus ist, desto gefährlicher ist auch die Embolie. Die am häufigsten vorkommende Embolie ist die Lungenembolie, welche sich durch schmerzhafte Atembeschwerden und Luftnot äußert.
Eine solche Erkrankung muss nicht während der Reise auftreten. Sie kann sich auch erst später als Thromboembolie bemerkbar machen. Daher sollte man bei jeder Beinschwellung oder Atemnot sofort einen Arzt aufsuchen und ihn auf die zuvor gemachte Reise aufmerksam machen.

Eine Embolie in der Lunge oder im Gehirn ist akut lebensgefährlich.

Risikofaktoren für eine Thrombose

Die Risikofaktoren teilen wir in drei Stufen ein:

1.
Niedriges Risiko
besteht bei einer mindestens 5-stündigen Reise in überwiegend sitzender Position. Dieses Risiko ist unabhängig von Alter und Gesundheitszustand zu bewerten.

Prophylaxeempfehlung:
Trinken Sie während der Reise ausreichend (mind. 250ml innerhalb von 2 Stunden) und meiden Sie Alkohol, Kaffee und schwarzen Tee.
Seien Sie sehr zurückhaltend bei Beruhigungs- oder Schlafmitteln.
Nutzen Sie den vorhandenen Fußraum um die Beine stets auch zu bewegen.
Stützstrümpfe können getragen werden, dabei sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass diese auch richtig angezogen sind und passen (fragen Sie dazu immer auch Ihren Arzt).
Bewegen Sie sich regelmäßig:
Wippen Sie langsam und im vollen Bewegungsumfang mit den Füßen.
Spannen Sie immer wieder ihre Muskeln für 5-10 Sekunden an.
Stellen Sie jede Stunde Ihre Rückenlehne vollständig zurück und strecken Sie Ihren Körper von den Füßen bis zum Kopf und den Fingern gut durch.
Stehen Sie öfter mal auf und gehen Sie ab und zu ein paar Schritte. Bei Auto- oder Busfahrten sollten Sie öfter mal eine Pause machen und ein paar Schritte gehen.

2.
Ein Mittleres Risiko besteht wenn mindestes zwei der folgenden Risikofaktoren vorliegen:
- Alter über 60 Jahre
- Erheblich eingeschränkte Herzleistung
- Vorliegen einer bekannten Blutgerinnungsstörung
- Bekannte Thromboseneigung in der Familie
- Krampfadern oder andere Erkrankungen der Venen
- Übergewicht (BMI > 30)
- Schwangerschaft
- Einnahme der „Pille“ oder einer Hormonersatztherapie

Prophylaxeempfehlung:
Sie ist ebenso wie bei Niedrigem Risiko, zusätzlich sollten geeignete und passende Stützstrümpfe eingesetzt werden.
In Einzelfällen (Beispielsweise in der Schwangerschaft oder beim Vorliegen einer Blutgerinnungsstörung) kann mit dem Arzt auch eine medikamentöse Thromboseprophylaxe in Betracht gezogen werden.

3.
Ein Hohes Risiko besteht wenn mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren vorliegen:
- In der Vergangenheit schon aufgetretene Thrombose oder Lungenembolie
- Ruhigstellung des Knie- oder Sprunggelenks
- Innerhalb der letzten 6 Wochen eine Operation mit nachfolgend eingeschränkter Beweglichkeit
- Vorliegen einer Krebserkrankung

Prophylaxeempfehlung:
Sie ist wie beim Niedrigen und dem Mittleren Risiko, zusätzlich sollte mit dem Arzt eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt werden. Beim Einsatz einer Heparinspritze ist darauf zu achten, dass diese etwa 2 Stunden vor dem Reisebeginn verabreicht werden sollte.
Hinweis: nicht an allen Flughäfen finden Sie Fachpersonal, welches beispielsweise eine „Heparinspritze“ verabreichen kann. Daher sollte die Vorgehensweise vorab genau mit dem Arzt besprochen werden!


Thema "Spritze"

Ein oft gehörter "guter Ratschlag" unter Fernreisenden lautet:
Laß Dir doch eine Heparinspritze geben - die gibt es jetzt sogar im Doppelpack für Hin- und Rückflug zu kaufen.

Solche vermeintlich gut gemeinten Ratschläge beinhalten jedoch ein sehr großes Gefahrenpotential.

Ein Körper mit normalen Gerinnungswerten wird durch die Verabreichung eines solchen Medikamentes dahingehend verändert, dass die Fähigkeit des Blutes zur Gerinnung deutlich herabgesetzt wird.
Sollte es also durch einen Biß auf die Zunge während der Mahlzeiten oder während plötzlich aufkommender Turbulenzen zu einer Blutung kommen, oder falls man sich verletzt oder stürzt (sich schneidet, Nasenbluten, ...), kann das Blut nicht mehr normal gerinnen...
Seien Sie sich dessen bewußt, dass man an Bord eines Flugzeuges KEINE Gegenmedikamente für solche Fälle mitführt.

Für nicht Risikoreisende (s.o.) ist daher eine solche Verabreichung nicht sinnvoll, vielmehr ist sie als gefährlich einzustufen, denn auch eine unstillbare Blutung auf einem Flug von mehreren Stunden kann schnell lebensbedrohlich werden.





(tho 07.04.2006)


(C) 2008 - Alle Rechte vorbehalten. Mehr Informationen zur Nutzung dieser Inhalte finden Sie im Disclaimer unserer Webseite www.mediScon.de

Diese Seite drucken