|
|
|
 |
 |
 |
 |
OKTOBER 2006 |
 |
Dengue - ein "neues Thema" unter Reisenden
|
Das Dengue-Fieber ist eine durch Mücken übertragene Virus-Erkrankung. Mittlerweile ist das Dengue-Virus in über 100 Ländern der Erde endemisch und stellt die weltweit am häufigsten durch Mücken übertragene Viruserkrankung dar (nur als Information wollen wir hier zum allgemeinen Verständnis gleich noch anführen, dass die Malaria eine Erkrankung durch Parasiten und nicht durch Viren ist!).
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schätzt, dass es jährlich zu 50-100 Millionen Dengue-Infektionen kommt, von denen mehrere hunderttausend als schwere Erkrankung, dem DHF (Dengue Hämorrhagisches Fieber), verlaufen. Insgesamt hat sich die Zahl der Dengue-Infektionen in den vergangenen 50 Jahren nahezu um das 30-fache erhöht.
Auch Reisende aus Europa werden daher immer häufiger mit der Diagnose „Dengue“ konfrontiert. Oft ist nachfolgend dann so etwas zu hören wie: „Wenn ich jetzt noch mal mit Dengue infiziert werde, dann muss ich vielleicht sterben!“. Um solchen oder ähnlichen Aussagen zu begegnen, wollen wir das Thema in diesem Monat einmal etwas näher betrachten.
|
...mal ein paar Zahlen
|
Im Jahr 2006 wurden in den ersten 8 Monaten in Deutschland 94 Dengue-Fälle gemeldet. Die reale Zahl von Personen aus Deutschland, welche sich bislang in diesem Jahr während einer Reise mit Dengue infizierten, ist sicher noch um einige Fälle höher, da gewiss nicht alle Dengue-Infektionen diagnostiziert wurden, oder beispielsweise eine Infektion mit Dengue im Reiseland bereits diagnostiziert wurde und die Meldung in Deutschland nicht erfolgt ist. In Deutschland sind Infektionen mit Dengue meldepflichtig.
Im vorangegangenen Jahr 2005 wurden in Deutschland insgesamt 144 Dengueerkrankungen gemeldet (im Jahr 2004 waren es 121). Von den in 2005 in Deutschland gemeldeten Denguerkrankten, infizierten sich 18% in Thailand, 11% in Indien, 10% in Indonesien, gefolgt von Costa Rica (9%), Philippinen (7%), Sri Lanka (7%), Brasilien (6%), Nicaragua (4%), Venezuela (3%), Guatemala und Kenia (mit je 2%) und anderen Ländern.
Zwischen 1999 und 2002 hat man in zwei Netzwerken zur Überwachung importierter Infektionen (SIMPID und TropNetEurop), bei insgesamt 481 Reisenden eine Dengue-Infektion diagnostiziert. Von ihnen kehrten 45% aus Südost-Asien, 16% vom Indischen Subkontinent, 31% aus Mittelamerika, Südamerika und der Karibik, sowie 8% aus Afrika zurück.
Ähnlich sehen die Zahlen auch für das Jahr 2004 aus, in dem insgesamt 121 Dengueerkrankungen nach Deutschland importiert wurden. Hier zogen sich fast 55% der Betroffenen die Infektion in Süd- oder Südost-Asien, 10% in Indien und 30% in Mittel- und Südamerika zu. Ungewöhnlich viele Dengue-Fälle mit insgesamt 14%, wurden 2004 aus Afrika verzeichnet (2005 sank der Anteil jedoch wieder auf 5%).
|
Das Dengue-Virus
|
Das Dengue Virus (DENV) gehört zur Familie der Flaviviren und wir unterscheiden das Dengue Virus in vier bekannte Typen: DENV-1, DENV-2, DENV-3, und DENV-4. Eine Infektion mit einem dieser Typen führt zu einer lebenslangen Immunität gegenüber diesem einen Serotypen, aber nur für wenige Monate auch zu einer Immunität gegenüber den anderen drei Typen. Infiziert man sich also mit beispielsweise DENV-1, dann ist man den Rest seines Lebens vor einer erneuten Erkrankung durch eine Infektion mit DENV-1, geschützt. Jedoch nur wenige Monate ist man nach der Erkrankung durch das DENV-1 (oder das DENV-2, das DENV-3 bzw. das DENV-4) auch vor den anderen drei Serotypen durch das eigene Immunsystem geschützt. Insgesamt kann ein Mensch somit also nur maximal vier Dengue-Infektionen durchmachen.
|
Die Übertragung des Virus
|
Das Dengue Virus selbst finden wir in der Natur vorrangig in Menschen und in Mücken. Eine Mücke bleibt ihr ganzes Leben über infektiös, ohne dass sie selbst an Dengue erkrankt.
Vorwiegend wird das Dengue Virus über die beiden Aedes-Mücken auf den Menschen übertragen (diese Aedes-Mücken werden neuerdings auch als Stegomyia bezeichnet). - Aedes aegypti (die Gelbfiebermücke) und - Aedes albopictus (die asiatische Tigermücke) Hauptsächlich wird es über die Aedes aegypti übertragen, da diese besonders empfänglich für das Dengue Virus sind und sie auch vornehmlich von menschlichem Blut leben. Daneben hat sich die Aedes aegypti auch bereits exzellent an die menschliche Umgebung angepasst, beispielsweise brüten diese in herumliegenden Plastikflaschen, in wassergefüllten Blumentöpfen oder auch in alten Gummireifen. Man findet die Aedes aegypti weltweit zwischen 35° nördlicher und 35° südlicher Breite. Hinzu kommt, dass die Aedes aegypti ein rastloser „Tagstecher“ ist und nacheinander viele Menschen fast schmerzlos sticht. Aus diesem Grunde ist es auch nicht wirklich ungewöhnlich, wenn beispielsweise mehrere Personen einer Reisegruppe gleichzeitig an Dengue-Fieber erkranken.
|
Die Erkrankung
|
In der Klinik zeigt sich eine Dengue-Infektion zumeist als eine harmlose, aber unangenehme Viruserkrankung. Die Inkubationszeit (also der Zeitraum von der Infektion bis zum Beginn der Erkrankung) beträgt ca. 3 bis 14 Tage. Aufgrund der oft ausgeprägten Gliederschmerzen, wird das Dengue auch manchmal als „Knochenbrecherfieber“ benannt. Bei 465 europäischen Reisenden mit einer Dengue-Infektion, zeigten sich folgende Symptome: 91% hatten Fieber 63 % hatten Kopfschmerzen (meist vornehmlich „hinter den Augen“) 52% hatten Muskelschmerzen 42% litten unter starker Abgeschlagenheit und 34% entwickelten ein Exanthem. Als weiteres Symptom wurde oft zu Beginn der Erkrankung ein Jucken am ganzen Körper angegeben. Die Fieberphase dauert gewöhnlich 4-6 Tage. Die Abgeschlagenheit und die Muskelschmerzen können hingegen über Wochen bestehen bleiben.
|
Dengue Hämorrhagisches Fieber
|
Die schwerwiegende Verlaufsform mit dem Namen „Dengue Hämorrhagisches Fieber“ ist vom Namen her etwas unglücklich gewählt, da hierbei nicht Blutungen das entscheidende Kriterium für diese schwere Verlaufsform einer Dengue-Infektion ist, sondern vielmehr ist es eine erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße (typischerweise 3-6 Tage nach Beginn des Fiebers). Der Grund, weshalb Personen an einem DHF (Dengue Hämorrhagisches Fieber) versterben, sind nicht wie oft fälschlicherweise angenommen, unstillbare Blutungen, sondern vielmehr ein Volumenmangelschock durch den Verlust von Flüssigkeiten aus dem Blutgefäßsystem. Dieses zeigt sich dann typischerweise als Aszites (Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum) oder Pleuraerguss (Ansammlung von Flüssigkeit im Brustraum).
|
Die Behandlung
|
Es gibt bislang noch keine spezifische Therapie zur Behandlung einer Dengue-Infektion.
Bei einem klassischen Dengue-Fieber wird Bettruhe verordnet und ein Mittel zur Fiebersenkung und Linderung etwaiger Muskelschmerzen empfohlen. Keinesfalls sollte ASS – Acetylsalicylsäure zum Einsatz kommen, da dieses Mittel die Thrombozyten an ihrer wichtigen Aufgabe des Potentials zum Aneinanderheften, hemmt und so Blutungen unterstützen oder verlängern kann.
Bei DHF (Dengue Hämorrhagisches Fieber) wird der Patient stationär aufgenommen und die Blutwerte werden engmaschig kontrolliert, daneben wird dem Körper stets Flüssigkeit zur Verfügung gestellt.
|
Die Prävention
|
Zum Schutz vor einer Infektion steht bislang noch kein Impfstoff zur Verfügung. Es befinden sich jedoch bereits mehrere mögliche Impfstoffe in der klinischen Erprobung. Zur Prophylaxe ist daher auf einen gezielten Schutz vor Mückenstichen zu achten. Hierzu können Hautrepellentien angewandt werden, hautbedeckende Kleidung (evtl. mit Langzeitmückenschutz vorbehandelt) getragen und Moskitonetze eingesetzt werden. Weitere Infos zum Schutz vor Mücken finden Sie übrigens auch in unserem "Insekten-ABC".
Wenn man bedenkt, dass Dengue neben Malaria eine der häufigsten Gründe für fieberhafte Erkrankungen bei Reisenden ist, sollte man dieses Krankheitsbild vielleicht auch im Rahmen der reisemedizinischen Vorbereitung einer Reise, deutlicher ansprechen.
Bei Fieber nach einem Tropenaufenthalt, sollte nach dem Ausschluss einer Malariainfektion auch immer an ein Dengue-Fieber gedacht werden. Schwere hämorrhagische Verläufe von Dengue-Fieber sind jedoch bei europäischen Reisenden mit 1-2% als selten anzusehen und diese sind dann durch leichte Hauteinblutungen und erhöhter Durchlässigkeit der Gefäße für Flüssigkeiten, gekennzeichnet.
(04.10.2006 tho)
|
Druckbare Version
|
|